Kunststoff

Bildschirmfoto 2018-04-14 um 13.09.41

Er kommt nur langsam zu sich, während er sich ungläubig die Augen reibt. Eingehüllt von einer merkwürdig wohltuenden Masse an Dunkelheit, versucht er sein Sehvermögen wieder zu erlangen. Panik erfasst ihn. Er atmet drei Mal tief ein und aus und vergräbt dabei sein Gesicht immer und immer tiefer in den schützenden Raum seiner Hände. Durch langsames Wegbewegen versucht er seine Augen an die allumfassende Dunkelheit zu gewöhnen, doch es hilft nichts. Er spürt keinen Untergrund, keine Schwerkraft, keine Begrenzung. Es fühlt sich an wie ein luftleerer Raum, in dem er aus unerklärlichen Gründen atmen kann.

Wenn es in dieser gottverlassenen Sphäre auch nur eine Lichtquelle gibt, denkt er sich, dann wird er die Umrisse seiner Hände wahrnehmen.

Sein Atem stockt – erfasst von nackter Panik in dem Versuch, seine nichtfassbare Umgebung abzutasten. Doch da ist – Nichts.

Plötzlich bemerkt er, gut zwei Meter von seinem zusammengekauerten Körper entfernt, das Aufblitzen einer metallartigen Substanz. Geblendet von der beißenden Helligkeit bewegt er sich in Richtung der Lichtquelle.

Er hat keinen blassen Schimmer, ob er sich wirklich auf das Etwas zubewegt, oder ob sich das Etwas auf ihn zubewegt. Ein nervöses Ticken setzt ein wie ein nervtötender Tinnitus. Vor seinem inneren Auge erscheint ein Countdown, der von dreißig Minuten herunter zählt. Er findet sich vor einer Tür wieder, die äußerlich der eines Kühlschranks gleicht.